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Der Weg ist das Ziel. Dienstag, 07. Dezember 2021 - 16:59 Uhr
Mai  :  09.05.-16.05.2017

09.05.-16.05.2017

Spendenkonto: Norbert Funk - Volksbank Trier - BIC: GENODED1TVB
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09.05.2017

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Die Strecke Tagesbericht Foto vom Tage

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Heute Morgen saß ich gemeinsam mit 3 Frauen aus Montreal und 2 Männern aus Frankreich am Frühstückstisch und es ist immer wieder interessant, dass die Verständigung irgendwie funktioniert. Der Eine kann von der einen Sprache etwas, der Andere von der anderen.
Ich bin dann als Erster los, da ich mir für heute eine Etappe über 27 km vorgenommen hatte. Nachdem ich dann auf einer Höhe von 1.180 m das Herzstück des Aubrac erreicht hatte, konnte ich kilometerweit laufen, mich an der Natur erfreuen und die morgendliche Sonne genießen. Die Bilder können die gesamten Eindrücke gar nicht wiedergeben. Ich wünschte, ich könnte mir diese Landschaft mal aus der Vogelperspektive anschauen.
Ein Plateau aus Granit und Basalt mit wunderschönen Landschaften, wenn auch teilweise karg. Kleine Flüsschen und Seen durchziehen diese Gegend. Das war ein Erlebnis besonderer Art. Hier und da kleine Steinhäuschen und Weideflächen umgeben von malerischen Trockenmauern. Aufgrund der Vegetation waren noch nicht so viele Kuhherden zu sehen. Ich hätte hier stundenlang verweilen und die Natur genießen können, doch mein Ziel war noch weit. Auch hätte ich auf dem Plateau noch ewig weiter laufen können, doch die topographische Karte spricht eine andere Sprache,
denn heute sollte der höchste Punkt bei 1.392 m liegen.
Doch bevor ich dorthin kommen sollte, kam ich durch kleinere Dörfchen, die den Charakter der Landschaft ins Dorf übertragen. Die Häuser sind auch durch Steinaufhäufungen abgegrenzt. Selbst die Häuser sind aus dem Basalt der Region errichtet. Überall in den Dörfchen bin ich auf Viehtränken, Backhäuser und Dorfbrunnen gestoßen, doch meistens war es kein Trinkwasser
(eau no potable).
Schließlich hatte ich mit Nasbinals mein erstes größeres Zwischenziel erreicht, welches den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Aubrac bildet. Nach dem Besuch der kleinen romanischen Kirche (ich musste mich beeilen, da eine Feier zum 70. Hochzeitstag Anstand) habe ich meine erste Mittagspause eingelegt. Von nun an (1.180 m) ging es 5 km stetig bergan, wie bereits erwähnt auf
1.392 m. Unterwegs stand eine Gedenktafel für einen im Jahre 2011 an dieser Stelle verstorbenen Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela.
Als ich am Wendepunkt ankam, habe ich mir eine zweite Pause gegönnt und mich von der Sonne verwöhnen lassen, denn da hatte ich nur noch 2 km für heute zu gehen.
Hinunter ging es dann über die Skipiste
in den Ort Aubrac hinein.
Dieser kleine Ort verfügt über einen Botanischen Garten (ähnlich klein) und über ein relativ großes Heimatmuseum. Diesen beiden "Sehenswürdigkeiten" habe ich dann auch mal einen Besuch abgestattet. In einem Filmbeitrag konnte ich dann sehen, wie früher das hier zu Lande typische Gericht Aligot hergestellt wurde. Das machte Appetit und es stellte sich mir die Frage, wie ich daran komme. In dem angegliederten Shop mit heimischen Produkten fand ich dieses Gericht, doch ich hatte keine Mikrowelle. Die Verkäuferin bot sich sofort an, mir das Essen warm zu machen,
eine nette Geste wie ich finde.
Aligot ist eine Art Kartoffelbrei mit Käse, zieht sich wie Gummi, aber schmeckt sehr gut.
Leider bin ich Ende Mai nicht mehr in Aubrac, denn dann findet das größte Spektakel des Jahres statt. Ein farbenprächtiges und lebhaftes Treiben: Der Almauftrieb.
Alles in allem ein lohnenswerter Abstecher ins Heimatmuseum.
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10.05.2017

20170510W_thumbnail_150x135px.png Ein Dorf erwacht.
Ich konnte dem Wirt gestern Abend noch abgewinnen,
dass er mir das Frühstück bereits um 7:30 Uhr macht,
denn eigentlich ist er eher ein Spätaufsteher.
Wie man den ersten Bildern bereits entnehmen kann,
geht es heute bergab ins Tal des Lot Richtung
Saint-Côme-d'Olt.
Die Auf- und Abstiege wechselten sich ab,
sodass es in Summe 1.400 m bergab ging.
Während des Abstieges eröffneten sich immer wieder gigantische Ausblicke auf die hügeligen
Hochebenen jenseits des Lot
(er entspringt in den Cevennen und mündet in die Garonne).
Nach ein paar Kilometern passierte ich einen Basaltschlot, auf dessen Spitze noch die Ruinen eines ehemaligen Schlosses zu sehen sind (siehe Fotos).
In dem eher verschlafen wirkenden Dörfchen
Saint-Chély-d’Aubrac,
passierte ich die, aus Kalksandsteinbruch
errichtete Pilgerbrücke.
Bis hierher waren schon 500 m Abstieg geschafft.
Leider sind die drei Motive auf dem Brückenkreuz verwittert, sodass sie im Bild nicht erkennbar sind
(gekreuzigter Christus, Maria mit dem Jesuskind
und ein Jakobspilger mit Stab).
Kurz hinter der Brücke stand ein schmuckes Häuschen,
das Pilgern zur Verfügung steht.
Die Wegführung ging teilweise über eingezäunte Wiesen, wobei man die Gatter öffnen, aber auch
wieder hinter sich schließen musste.
Nach dem Aufstieg auf wiederum 930 m ging es dann aber stetig bergab. Dabei kam ich durch den Weiler Lestrade (Weiler steht für kleinere Ansiedlung).
Hier nutzte ein Rentner das alte Backhaus, um den Pilgern Kaffee, Tee oder heiße Schokolade anzubieten.
Ob es Zufall ist, dass der Rentner "Jaques" heißt?!
Er verbreitete zumindest eine gute Stimmung,
wodurch die Pilger angezogen wurden.
Ich habe diese Gelegenheit genutzt
und eine kleine Pause eingelegt
und siehe da, ich traf auf Pilger, denen ich Tage zuvor
auch schon begegnet bin.
Der letzte Teil der Strecke führte durch ein Waldgebiet mit Kastanienbäumen und Ginster.
In Saint-Côme-d'Olt angekommen,
habe ich mein Quartier gesucht.
 Es lag ein wenig außerhalb.
Es war in einem Couvent (ehem. Kloster).
Dieses wird wie ein Hotel geführt,
für Pilger gibt es aber immer bestimmte Räume,
die zur Verfügung gestellt werden.
Am Nachmittag habe ich mir dann
den Ort selbst angeschaut.
Betritt man den Ort durch eines der drei Stadttore,
findet man sich in einer anderen Welt wieder:
 Enge Gässchen und kleine Plätze prägen das Örtchen.
Interessant ist auch der,
wie eine Zwiebel gedrehte Kirchturm.
Der Ort ist im Laufe der Zeit unversehrt geblieben und erhielt die Auszeichnung
"Die schönsten Dörfer Frankreichs".
Entstanden ist der Ort im 10. Jh.
um die Chapelle de la Bouysse.
Heute dient diese Kapelle anderen Zwecken,
so in den 50gern als Kinosaal,
in den 90gern als Festsaal
und heute war eine Ausstellung zu besichtigen.
Interessanterweise gab es eine
deutsche Beschreibung der Örtlichkeit
(das gab es bisher noch nicht).
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11.05.2017

20170511W_thumbnail_150x97px.png Der erste Blick aus dem Klosterfenster war alles andere als verheißungsvoll, ringsum Regen.
Den Start habe ich daher um ca. 1 Std. verschoben,
dann war aber auch allgemeine Aufbruchstimmung.
 Übrigens waren gestern Abend über
40 Pilger im Speisesaal.
Den Ort Saint-Côme-d'Olt habe ich durch die untere Altstadt über die Pilgerbrücke verlassen.
Auf der anderen Seite begleitete mich der Fluss
noch eine Weile,
bis der Weg mich dann nach links und steil bergauf führte.
 Durch die nasse Witterung war das nicht wirklich angenehm.
Das Wasser kam mir über die Waldwege entgegen.
Ein Gutes hatte die Schinderei:
 Auf der anderen Seite des Hügels hatte der Regen
bereits nachgelassen,
dennoch suchten die Kühe den Schutz unter den Bäumen.
Oben angekommen stand ich vor einem großen Schlot
eines ehemaligen Vulkans (siehe Fotos).
Unweit auf einem Felsvorsprung steht
eine Madonnenstatue.
 Von dieser Stelle hat man einen sehr guten
Blick auf das Lot-Tal
und die gegenüberliegende Burg.
So wie es nach oben ging,
so steil ging es auch wieder nach unten.
Ich war heilfroh die ersten Häuser zu sehen,
denn dann hatte die Rutschpartie ein Ende.
Auf dem Weg nach Espalion machte ich einen kleinen Abstecher zu der,
aus rotem Sandstein leuchtenden,
Eglise de Perse (Perserkirche),
die im Inneren reich verzierte Kapitelle aufweist,
aber auch das Kirchenportal ist bemerkenswert.
Dominiert wird der Ort von der,
auf einem Bergrücken thronenden
Burgruine "Calmont d'Olt",
von der man einen wunderschönen Blick auf die Stadt
und das Land hat.
Sehenswert ist aber auch die,
in das Weltkulturerbe aufgenommene,
schön geschwungene, gotische Brücke (Le Pont-Vieux).
Sie ist nur für Fußgänger passierbar.
3 km hinter Espalion erreichte ich dann die,
aus dunkelrotem Sandstein errichte
Kirche Saint Pierre.
Das Besondere hier ist eine,
sich im Obergeschoss befindliche Kapelle,
mit Motiven des Erzengels Michael.
Auf dem weiteren Weg zu meinem Zielort Estaing,
traf ich auf einen Pilger aus Brasilien.
Für ihn ist es der 5. Camino von
unterschiedlichen Startpunkten.
 Diesmal startete er in Le Puy.
Die Häuser von Estaing stehen dicht an dicht um das Schloss, das 1922 von der Familie des ehem. frz. Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing
erworben wurde.
Ein Besuch der Kirche ist lohnenswert.
Der gotische Kirchenaufbau ist im
goldenen Stil gestaltet (siehe Fotos).
Der Altaraufsatz stellt den Hl. Jakobus dar.
In der ersten Woche nach Le Puy kann ich feststellen,
dass es bei Vermietern der Unterkünfte
nicht mehr so familiär zugeht,
es ist alles mehr kommerziell.
Das liegt wahrscheinlich an der größeren Menge
an täglichen Pilgern.
Das sagt nicht aus, dass die Menschen unfreundlicher sind, es fehlt evtl. nur die Zeit.
Mal sehen, was der Wettergott für morgen bereithält.
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12.05.2017

20170512W_thumbnail_150x83px.png Nach dem gestrigen Regentag, fiel mein erster Blick heute Morgen aus dem Fenster auf Nebel, der sich über die Anhöhen legte, aber kein Regen.
So bin ich dann nach dem Frühstück, dennoch mit Regenkleidung ausgerüstet, zu meinem heutigen Endziel Sénergues, aufgebrochen.
Zunächst verlief der Weg 3 km an dem Fluss Lot vorbei, mit zum Teil schönen Ausblicken.
Die Angler waren auch schon auf den Beinen.
Doch dann war die angenehme Strecke vorbei. Es ging einen Waldweg bis auf 656 m steil nach oben.
Dort angekommen musste ich erst einmal mein T-Shirt wechseln, es war so nass als hätte es geregnet, aber die Sonne hatte sich gezeigt.
Der Nebel, der morgens noch auf den Höhen war, hatte sich ins Tal verzogen, sodass mir die eigentlich schöne Aussicht ins Lot-Tal verwehrt blieb.
Es gibt Tage an denen es kaum sehenswerte Haltepunkte auf der Strecke gibt.
So ein Tag war heute.
Doch der Höhepunkt für mich war die Erreichung der 1.000 km-Marke seit meinem Start kurz vor Montégut.
Diesen werde ich mir bestimmt merken.
Auf dem Weg hinauf nach Golinhac wechselten sich immer wieder Waldpfade, Feld- und Wiesenwege mit der Asphaltstraße ab, immer dann, wenn es galt eine der Serpentinen abzuschneiden.
Das Wetter spielte auch soweit mit, bis kurz vor den Ort.
Dann hat sich ein heftiger Schauer ergossen.
Zum Glück konnte ich mich in einem Viehstand unterstellen und die Regenphase abwarten.
Nach 20 Minuten ging es bei schönem Wetter wieder weiter.
Warum der Weg über Golinhac geführt wurde,
hat sich mir nicht erschlossen,
denn ich konnte nichts Sehenswertes ausmachen.
Dafür ging der Weg wieder genau so weit
bergab nach Espeyrac.
Auf dem Weg dorthin bin ich auf 2 Pilger aus Kanada getroffen, mit denen ich dann die letzten 3 km zu meinem Zielort gegangen bin.
In der Dorfmitte haben wir uns verabschiedet, aber nicht ohne auf dem Dorfplatz noch eine Flasche Rotwein
zusammen zu trinken.
Ich hatte ja auch mein Ziel erreicht.
Die beiden haben dann ihren Weg nach
Conques fortgesetzt.
Ich werde mir das Städtchen morgen Vormittag in aller Ruhe anschauen.
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13.05.2017

20170513W_thumbnail_150x119px.png Heute Nacht hat es ununterbrochen geregnet und die größten Befürchtungen hervorgerufen, denn es war Dauerregen vorhergesagt.
Doch schon nach dem Frühstück klärte der Himmel auf und es wurde ein wunderschöner Sonnentag.
Da ich mir vorgenommen hatte in dem Ort Conques (bedeutet Muschel) eine längere Besichtigung zu machen, habe ich mich für die Radvariante des GR65 entschieden.
Obwohl sich der Weg an der Straße vorbei zog, habe ich die Entscheidung nicht bereut.
Ich hörte ständig zu meiner linken das Rauschen, der sich tief in die umgebende Bergwelt eingeschnittenen Flüsse.
Es hatte etwas sehr Beruhigendes, auch wenn man den Fluss in der Tiefe nicht sehen konnte.
Die Bewohner, von den vereinzelt an der Straße stehenden Häuschen, habe ich um ihren Blick von den Terrassen hinunter ins Tal oder auf die malerischen Steinwände an den Berghängen beneidet.
Es hat mich schon etwas verwundert, warum so wenig Autoverkehr war.
Die Antwort habe ich dann am Ortseingang bekommen.
Conques ist autoverkehrfrei und es gibt keine Umgehung, also Sackgasse.
Die Hauptzufahrt ist von der anderen Ortsseite.
Noch heute umgibt eine Stadtmauer mit Türmen und Wehrtoren ein Netz von engen Gassen.
Conques ist schon einen Besuch wert, denn diese Form der Baukunst habe ich bisher noch nicht gesehen.
Mit seinen 300 Einwohnern erlebt der Ort einen enormen Besucherstrom, einen großen Teil machen natürlich die Pilger aus. Hier gibt es rd. 100 Betten für Pilger.
Zentraler Mittelpunkt, neben anderen Sehenswürdigkeiten (Schatzkammer, Turmanlagen, Stadttore, Brunnenanlagen), ist die Abbaye Conques mit der Kathedrale Sainte-Foy, einer romanischen Emphorenhallenkirche.
Ausnahmsweise gab es einen deutschsprachigen Ortsplan.
Beeindruckend neben der Größe und auch der Höhe der Abteikirche ist das Eingangsportal mit 124 in Stein gemeißelten Figuren, die das jüngste Gericht darstellen (siehe Fotos). Nach dem Besuch der Pilgermesse traf ich auf eine Menge von bereits bekannten,
aber auch für mich neuen Pilger.
Man stellt sich gegenseitig vor, unterhält sich,
eine lockere Atmosphäre.
Das liebe ich an dieser Pilgerreise.
Mit Patrick aus Kanada und Martinson aus Brasilien habe ich dann gemeinsam zu Mittag gegessen.
Darüber hatte ich die Zeit ein wenig vergessen, aber auf dem Camino gibt es keine Eile.
Am Nachmittag habe ich mich dann verabschiedet und den Weg durch eines der Stadttore genommen, hinunter zur Pilgerbrücke (Pont Romain).
Während des 6 km langen Anstieges bin ich auf, die auf einem Felsvorsprung stehende,
Chapelle St.-Roch gestoßen.
Nach links hin hatte man immer wieder einen herrlichen Blick auf Conques, das wie eine Wabe am Berghang klebte.
Nachdem die Anhöhe geschafft war ging es leicht bergab nach Noailhac, wo ich die dortige Gîte d'étape aufsuchte.
Waren wir in der gestrigen Unterkunft noch mit 13 Personen, so habe ich hier ein
riesiges Haus für mich alleine.
So unterschiedlich, je nach Etappeneinteilung,
können die Belegungen sein.
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14.05.2017

20170514W_thumbnail_150x118px.png Heute Morgen wurde ich durch den Hahn aus Nachbar´s Garten geweckt.
Vielleicht war ihm durch den Nebel die Sicht auf die Kirchturmuhr genommen.
So konnte ich mich in aller Ruhe fertig machen. Das Frühstück gab es im örtlichen Restaurant.
Nach dem Frühstück ging es in den Prozessionsweg, der entlang aufgestellter Kreuze hoch zur
Chapelle Saint-Roch führte.
Diese sollte nicht die Einzige mit dem Namen sein, auf die ich stoßen sollte, denn hier in der Region wird der Hl. Sankt Rochus (Pestheiliger) vielerorts verehrt.
Hier traf ich dann auf ein Pilgerehepaar mit Hund, die die Kapelle als Nachtlager genutzt hatten.
Es ist nicht einfach eine Unterkunft mit Hund zu finden.
Sie sollten auch die einzigen Pilger sein, denen ich heute begegnet bin, bis auf einen "halben Pilger",
aber dazu später mehr.
Von der Kapelle hätte man einen wunderschönen Blick ins Tal gehabt, aber der Blick, der sich mir geboten hat, war noch viel interessanter.
Die Täler zu meiner linken und rechten Seite waren mit Nebel gefüllt und die Höhen waren sonnendurchflutet.
Ich habe mich gefühlt, als wäre ich über den Wolken,
einfach fantastisch.
Des Öfteren blieb ich stehen, um mir die Gebilde aus Nebel und Wolken anzuschauen, später zogen dann einzelne Nebelschwaden über die Felder.
Bergab, bergauf ging es dann durch Feld und Wald Richtung Decazeville.
Eigentlich führt der Weg an der 7.000 Einwohnerstadt vorbei, doch ich musste mich mit Proviant eindecken.
Da ich schon mal hier war, stattete ich der Kirche auch einen Besuch ab.
Von dem Chorraum war ich beeindruckt (siehe Fotos).
Wegen der Messe konnte ich nicht umherlaufen, um mir die einzigartigen 14 Kreuzweggemälde von
Gustave Moreau anzuschauen.
Auf einer Bank sitzend wurde ich von dem "halben Pilger" angesprochen. Warum halb?...
...Er ist mit seinem Bruder unterwegs, er fährt das Wohnmobil und geht seinem Bruder immer ein Stück entgegen, schließlich ist er auch schon 81 Jahre alt.
So wie es bergab in die Stadt hinab ging, so ging die Route steilansteigend durch ein Wohngebiet hinauf zur Chapelle Saint-Roch (nicht die von heute Morgen).
Eine zeitlang verlief der Pfad auf der Höhe, bis es dann die 4 km bergab nach Livinhac-le-Haut ging.
Hier traf ich auf einen alten Bekannten, den Fluss Lot, der mit seinen Ufern die Stadt einrahmt.
Die beiden Torbogen an den Ufern
waren Teil der alten Brücke.
Auf dem Kirchplatz sitzend habe ich dann eine längere Pause eingelegt, denn eigentlich sollten es nur noch 5 km zu meinem geplanten Etappenziel Montredon sein.
Dort angekommen entschied ich mich das schöne Wetter auszunutzen und noch ein Stück weiter zu laufen.
Doch sehr viel weiter bin ich dann nicht gekommen, denn im nächsten Ort bin ich auf der Straße mit einer Frau ins Gespräch gekommen. Sie stammte aus Holland
und sprach gut deutsch.
Sie erzählte mir, dass sie auch schon den Weg nach Santiago de Compostela gegangen ist.
Im Laufe des Gesprächs bot sie mir ihre voll eingerichtete Gartenlaube zum Übernachten an.
Wir saßen dann am späten Nachmittag nochmals auf der Gartenbank zusammen und sie erzählte, wie sie zu dem Haus in Frankreich gekommen ist.
Auf ihrem Camino hat ihr diese Gegend so gut gefallen, dass sie hier vor 10 Jahren einen Bauernhof gekauft
und umgebaut haben.
Nun leben sie im Sommer 7 Monate in Frankreich und
die anderen 5 Monate vom Jahr in Amsterdam.
Es war Zufall, dass ich heute, anders als sonst,
keine Unterkunft vorgebucht hatte,
so bin ich dann hier geblieben.
Es ist interessant, die Vegetation im Laufe der Monate zu beobachten. Anfang April waren die Kirschbäume noch in der Blüte und heute konnte ich schon die ersten Früchte über den Gartenzaun genießen.
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15.05.2017

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Nach dem schönen Sonnenuntergang von gestern, konnte der heutige Tag nur schön werden und das war er auch. Nach dem Frühstück habe ich mich von den Gastgebern verabschiedet und bin losgezogen. Zunächst ging es bergab, und später parallel wieder bergauf. Die Antwort lag in der Chapelle Sainte-Marie-Madeleine. Die romanische Kapelle zeigt Wandmalereien aus dem 14. Jh., aber diese sind leicht verblasst. Weiter ging es zum Zielort Figeac, für den ich mich gestern Abend kurzfristig entschlossen hatte, dazu später mehr. Unterwegs machte ich dann noch einen kurzen Abstecher vom Hauptweg nach St. Felix, um mir das, in der Kirche befindliche Glasfenster mit dem Hl. Jakobus anzuschauen, schließlich bin ich ja auf dem Jakobsweg. Aber nicht nur hier, sondern vielerorts, trifft man auf Figuren oder Abbildungen von Jakobus. Heute sind mir im Gegensatz zu gestern wieder eine Menge Pilger begegnet, aber keine Bekannten der Vortage. Nach rd. 17 km hatte ich dann Figeac, eine 10.000-Einwohner-Stadt, erreicht. Nach dem Besuch der Kirche Notre Dame war der nächste Gang auf die Touristinformation, denn gestern Abend kam mir der Gedanke einen Ausflug zum frz. Nationalheiligtum Rocamadour zu machen. Ich ließ mir die Zugverbindungen herausschreiben, dann habe ich schnell ein Hotel gesucht, mein Gepäck abgestellt und dann ging es ab zum Bahnhof. Ich hatte auch schnell meine Tickets und es ging auch gleich los, doch was mir keiner sagte, dass der Bahnhof in Rocamadour 5 km außerhalb liegt. Gemeinsam mit anderen Fahrgästen ging es dann zum Wallfahrtsort. Der erste Blick auf der Hinfahrt war schon gigantisch. Warum Wallfahrtsort?...Dies geht schon auf das Mittelalter zurück und war sehr berühmt, sie war aber meist als Buße auferlegte Pilgerfahrt zur schwarzen Madonna.
So, nun zum Ort selbst. Ich glaube die Bilder können die Schönheit des Panoramas und den Flair dieses kleinen Ortes nicht wiederspiegeln. Die 3 Ebenen, auf denen Rocamadour liegt, sind jede für sich und in der Gesamtheit sehenswert. In der ersten Ebene befindet sich das Dorf, dessen mittelalterlichen Häuser sich an die steilen Abhänge schmiegen. Die Straße wird heute beherrscht von kleinen Geschäften, denn die Touristen kommen in Scharen. Von dem Dorf können die Besucher über die "große Treppe" (200 Stufen) zur heiligen Stadt hinaufsteigen. In der 2. Ebene befinden sich 7 Gotteshäuser. Das Bedeutendste ist die Marienkapelle "Notre-Dame de Rocamadour" mit der schwarzen Madonna. Auf dem Gipfel des Berges in der 3. Ebene befindet sich eine Burg aus dem 14. Jh.. Der Höhenunterschied zwischen der ersten und dritten Ebene beträgt 155 m und zieht sich über 700 m hinauf. Ich hatte mir 5 Stunden für diesen Ausflug eingeplant. Es hätte schon etwas mehr sein können, aber der Zug ging um 19:15 Uhr zurück. Ich kann nur sagen, dieser Ausflug hat sich gelohnt, auch wenn ich fast den Zug verpasst hätte, denn das schon mittags bestellte Taxi kam in letzter Minute.
Alternativ kann man auch den Pilgerweg ins 54 km entfernte Rocamadour machen, allerdings würde sich dadurch aber die Pilgerreise um mind. 2 Tage verlängern.

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16.05.2017

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Ich bin heute Morgen ohne Frühstück gestartet, da ich bei diesem schönen Wetter gerne in freier Natur frühstücken wollte. Beim Gang durch die Stadt habe ich mich dafür eingedeckt. Nach dem Besichtigungsmarathon von gestern war ich froh, dass es heute ruhiger zuging. Die Verantwortlichen haben die Wegführung so gewählt, dass sie immer um die Ortschaften gelegt war. Der Jakobsweg führt auf der Etappe Figeac - Cajarc über eine Hochebene, die sich zwischen dem Fluss Célé und dem Lot-Tal erstreckt. Sie ist teilweise beherrscht durch karge Schafweiden, daher auch die vielen steinernen Hütten am Wegrand zum Schutz der Schäfer, aber auch als Unterstand für die Pilger. Sie gehören zum regionalen Nationalpark Causses du Quercy. Die Landschaft ist dünn besiedelt, die Höfe liegen weit verstreut, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ich auf den ersten 20 km nur 2 Weiler (Ortschaften) gestreift habe.
Der Weg war sehr wellig, 780 m hoch, 790 m runter, aber mit nur 2 steileren Passagen. Wegen der hohen Temperaturen am heutigen Tag war ich froh, dass der Weg vornehmlich durch Wald oder an bewaldeten Landstraßen vorbeiführte. Der Flüssigkeitsbedarf war dennoch hoch. Nach 30 km hatte ich dann Cajarc erreicht. Cajarc ist bekannt für seinen Safrananbau, der auch heute noch in mühevoller Handarbeit geerntet wird. Auf dem heutigen Weg bin ich vielen neuen Pilgern, aber auch Personen, die den Camino als Auszeit nutzen, begegnet. Auf einen Teil dieser Menschen bin ich in der heutigen Herberge wieder gestoßen. Für morgen ist ähnlich schönes Wetter angesagt.

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